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Man hat niemals ausgelernt... 

Heutzutage haben das eigene Gesundheitsbewusstsein und die persönliche Fitness wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Man möchte selbst aktiv werden und was Gutes für seinen Körper tun. Aber bei der großen Masse an diversen Therapiemethoden, Behandlungstechniken und neuen Trainingstherapien verliert man schnell den Überblick. Zu verstehen, was jede einzelne Therapie beinhaltet und was einige Begriffe bedeuten, fällt schwer.

 

Vielleicht sind Sie schon einmal über den Begriff „Propriozeptives Training“ oder auch „Sensomotorisches Training“ gestolpert und haben sich gefragt, was das heißt?!

Die Privatpraxis für Physiotherapie Kaempfe legt einen hohen Stellenwert auf das Trainieren des propriozeptiven Systems und daher möchten wir Ihnen diesen Begriff nun erklären.

Was bedeutet Propriozeptives Training?

Das Wort „Propriozeption” bedeutet so viel wie „Eigenwahrnehmung“ (proprio = eigen, recipere = wiederbekommen, annehmen, aufnehmen).

Für die Propriozeption braucht der Körper Propriozeptoren, die wiederum zur Gruppe der Rezeptoren gehören. Rezeptoren sind Sinneszellen, die chemische oder physikalische Reize aus dem Inneren des Körpers oder aus der Umgebung aufnehmen und weiterleiten.

Wichtig für die Propriozeption ist die Information aus dem Körperinneren, also die Tiefensensibilität. Dafür gibt es zum einen Propriozeptoren in den Muskeln und Sehnen (Muskelspindel und Golgi-Sehnenorgan) die Druck- oder Zugunterschiede messen, und zum anderen gibt es Rezeptoren in den Gelenken, die die Lage des Körpers im Raum und die Stellung der Gelenke zueinander erkennen können. Ebenso geben Rezeptoren in den Muskeln, Faszien und Gelenken Aufschluss über die Bewegung des Körpers im Raum.

Neben den so gewonnenen Informationen aus der Tiefensensibilität werden auch Informationen über die Oberflächensensibilität, das Gleichgewichtssystem und die Augen gesammelt und alles zusammen ergibt eine gute Aussage über die tatsächliche Lage und Aktivität des Körpers im Bezug zur Umwelt.

 

Falls man z.B. stolpert, kann dies der Körper aufgrund der oben genannten Rezeptoren und Organe schnell erkennen. Ob der Körper allerdings auf dieses Erkennen richtig reagiert und somit eine Verletzung vermeiden kann, ist eine andere Sache. Die Muskeln müssen schnell und vor allem adäquat reagieren können, damit es nicht zu einem Schaden kommt. Wichtig ist die richtige Kraftdosierung und eine feine, koordinierte Abstimmung der Muskeln untereinander. 

stolpern fallen 

Das sofortige Erkennen ob der Körper „aus dem Lot“ kommt und eine schnelle und angepasste Reaktion darauf, sind Faktoren, die mittels des Propriozeptiven Trainings trainiert werden können. 

Anwendung in der Praxis

Beispiel: Beim Umknicken des Fußes kommt es zu einer plötzlichen Dehnung der Außenbänder und Sehnen am Sprunggelenk. Wenn die sprunggelenksumgebende Muskulatur gut trainiert ist, schafft sie es direkt gegenzusteuern und die Bewegung abzufangen. 

Falls aber die Muskulatur zu spät reagiert, bzw. das Zusammenspiel der gegensteuernden Muskulatur nicht koordiniert abläuft oder falls die gelenksstabilisierenden Muskeln zu schwach sind um die Bewegung abzufangen, kann es zu einer schmerzhaften Überdehnung der Außenbänder oder gar zu einem Bänderriss kommen.

Das Propiozeptive Training (auch Sensomotorisches Training oder Neuromuskuläres Training genannt) schult den Körper bei plötzlicher Verletzungsgefahr schnell und richtig zu reagieren. Gleichzeitig wird das Gleichgewicht und das Körpergefühl trainiert.

Für diese Art von Training nutzt man wackelige Unterflächen und Ausgangsstellungen, in denen sich der Körper anstrengen muss, das Gleichgewicht zu halten und in denen er sich immer wieder neu ausrichten muss. Natürlich fängt man vorsichtig an und orientiert sich zum einen am Können des Patienten, zum anderen an der Belastbarkeit des zu trainierenden Gelenkes. 

Propriozeptives Training in der Privatpraxis für Physiotherapie Kaempfe

Besonders gern und häufig nutzen wir in unserer Praxis das Posturomed zum Trainieren des propriozeptiven Systems. 

Einbeinstand

Das Posturomed ist ein Therapiegerät zur Stabilisierung und Optimierung der Körperhaltung. 

Man stellt sich auf die Therapiefläche, welche an speziellen Schwingelementen befestigt ist und somit als schwingende, instabile Unterfläche dient. Die Ausweichbewegungen der Therapiefläche werden gedämpft und die Weite der Schwingamplitude kann je nach Schweregrad unterschiedlich eingestellt werden.

Das Ausbalancieren des eigenen Standes trainiert die Koordination, das Gleichgewicht und die aktive Stabilisierung der tragenden Gelenke und der Wirbelsäule. Auf dem Gerät können neben dem „einfachen“ Stehen auch Übungen durchgeführt werden.

Ebenso kommen weiche Matten (z.B. das Airex Balance Pad), Therapiekreisel, Luftkissen (z.B. das Dynair Ballkissen oder der TOGU Aero-Step), der Harmonyswing und manchmal auch das Pedalo zum Einsatz.

Dynair und Seilzug

„Das Üben auf wackeligem oder weichem Untergrund fördert die Propriozeption - der Körper lernt, wie er sich schnell ausrichten muss und welche Muskeln in welcher Intensität aktiviert werden müssen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.“

Um eine schnelle Änderung der Körperhaltung durchführen zu können, ist außerdem eine gute Kraft und Kontrolle der „Körpermitte“, also der tiefliegenden Rumpfmuskulatur, notwendig. Zum Trainieren dieser Muskeln bieten sich unter anderem Übungen mit dem Physioloop, dem Propriomed, dem Pezziball und dem JoBa-Coretrainer an.

Physioloop

„Eine Übung mit dem Physioloop zur Kräftigung der tiefen Bauchmuskulatur und zur Förderung der Körperspannung“

Für wen ist das Propriozeptive Training sinnvoll?

Die Antwort darauf gestaltet sich eigentlich ganz einfach: Jeder sollte sein propriozeptives System trainieren!

Aber man kann in verschiedene Intentionen unterteilen:

1.) Prävention

Leider gestaltet sich unser Alltag in der Regel eher bewegungsarm und somit verlernt der Körper, auf plötzliche Positions- und Belastungsänderungen schnell zu reagieren. 

Daher bietet sich das Propriozeptive Training als Präventivmaßnahme an – wer über ein gut geschultes propriozeptives System verfügt, kann Verletzungen von vornherein vermeiden und durch die verbesserte Trittsicherheit fällt das Gehen in unebenem oder rutschigem Gelände leichter.

2.) Rehabilitation

Meistens kommt das Propriozeptive Training allerdings in der Rehabilitation, also nach Verletzungen oder operativen Eingriffen, zum Einsatz.

Besonders wichtig ist dies bei Bänderverletzungen (z.B. am Sprunggelenk oder am Knie), da das Gelenk an Stabilität verloren hat. Ist z.B. ein Kreuzband im Knie gerissen, wächst dieses nicht wieder nach. Die kniegelenkumgebende Muskulatur ist aber in der Lage die fehlende passive Stabilität aktiv auszugleichen – wenn sie dementsprechend gut trainiert ist. 

Außerdem hilft das Training und die neu gewonnene Stabilität die Angst vor erneuten Stürzen und einer Wiederverletzung zu reduzieren. 

Auch nach Ruhigstellungen, also z.B. nach einer Knochenfraktur, muss die Muskulatur wieder trainiert werden. Schon nach einer Woche Ruhigstellung kann man Veränderungen im Bindegewebe (Verklebungen), in den Muskeln (Abbau) und in den Gelenken (Aufweichen des Knorpels) nachweisen. Eine gute Anschlussbehandlung ist notwendig, um die ursprüngliche Belastbarkeit und Beweglichkeit wiederherzustellen. Auch die Reaktionsfähigkeit der Muskulatur muss wieder neu geschult werden.

Rehabilitation bei Rückenschmerzen: Verschleiß und Bandscheibenschäden sind nur selten die alleinige Ursache für Rückenbeschwerden.

Meist sind die einseitige Haltung und die mangelnde Bewegung die Ursache für die Schmerzen. Das Bindegewebe und die Muskulatur werden nicht gut durchblutet und deshalb nicht genügend mit Nährstoffen versorgt. Außerdem können Abfallstoffe nicht abtransportiert werden und sammeln sich im Gewebe an. Dieses chemische Ungleichgewicht löst eine Warnreaktion des Körpers aus, die sich z.B. in Rückenschmerzen äußert.

Hinzu kommt, daß die Rückenmuskulatur häufig nicht gut trainiert und somit schnell überlastet und dadurch schmerzhaft verspannt ist. 

Die Wirbelsäule wird durch die kleine und tiefliegende Muskulatur (autochtone Muskulatur) stabilisiert. Da diese hauptsächlich reaktiv arbeitet, gehört zur Rehabilitation nach Rückenbeschwerden neben der allgemeinen Bewegung immer auch das reaktive Muskeltraining, also das Propriozeptive Training.

3.) Verbesserung der (sportlichen) Leistungsfähigkeit

Beim Sport kann die Leistung verbessert werden, wenn die Muskulatur nicht nur stark ist, sondern wenn das Zusammenspiel der Muskeln und die schnelle Anpassung der Gelenkstellungen gut harmoniert. Der Körper kann dadurch, ohne im Einzelnen mehr Kraft haben zu müssen, mehr Kraft aufbringen und schneller abrufen.

Auch alltägliche Bewegungsmuster, wie z.B. das Gehen, wirken flüssiger und geschmeidiger, wenn die Koordination der Bewegungen optimiert abläuft und wenn die eingesetzte Kraft fein abgestimmt ist.

 

Ziele des propriozeptiven Trainings

  • Verbesserung der aktiven Stabilisierung der Körpergelenke (v.a. Wirbelsäule, Knie- und Sprunggelenke)
  • Förderung einer schnellen Reaktionsfähigkeit und einer gut abgestimmten Zusammenarbeit der Muskulatur; funktionelles Muskeltraining
  • Reduzierung von Sturzangst oder Angst vor (Wieder)Verletzung; Verbesserung der Trittsicherheit
  • Haltungskorrektur, verbessertes Gleichgewicht, Bewusstmachung der Körpermitte
  • Reduzierung von Verspannungen und Myogelosen, da die Muskulatur nicht so schnell überlastet wird

Werden Sie aktiv

Kommen Sie in unsere Privatpraxis für Physiotherapie und starten Sie noch heute mit der Schulung Ihres propriozeptiven Systems!

Nach einem Anamnesegespräch und einer ausführlichen Befundaufnahme werden wir mit Ihnen zusammen Ihre Therapieziele bestimmen und einen individuellen Behandlungsplan erstellen.

Gerne kombinieren wir den aktiven Trainingsplan mit manuellen Anwendungen wie Manuelle Therapie, Massage, Lymphdrainage, Fußreflexzonentherapie oder Triggerpunktbehandlung. 

Das Team der Privatpraxis für Physiotherapie Kaempfe freut sich auf Ihren Besuch! 

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